Grundlagen & Kernkonzept · für Einsteiger
Von Niko Hatziiosifidis · zuletzt geprüft 23.08.2026
Semi-liquide Fonds — oft „Evergreen-Fonds“ genannt — sind Private-Markets-Fonds ohne feste Laufzeit, die Anteile laufend zum Nettoinventarwert (NAV) ausgeben und zu festen Terminen begrenzt zurücknehmen: typischerweise quartalsweise, gedeckelt durch ein Gate von rund 5 % des Fondsvermögens. Anders als beim geschlossenen Fonds ist das Geld sofort voll investiert; anders als beim ETF ist der Ausstieg planbar, aber nicht garantiert. In Europa treten sie vor allem als ELTIF nach Verordnung (EU) 2023/606 oder als offener AIF auf — Ende 2025 zählte Scope 268 registrierte ELTIFs mit einem erfassten Volumen von 34,0 Mrd. €, weltweit verwaltet das Segment knapp 600 Mrd. US-$ (Stand März 2026).
93 von 141 erfassten Fonds — rund zwei Drittel — nehmen quartalsweise zurück, 25 monatlich.
n = 141 · berechnet aus unserer Fondsdatenbank · Stand: Aug. 2026
An der Börse notiert nur ein kleiner Ausschnitt der Wirtschaft. Der Maschinenbauer aus dem Mittelstand, der Windpark, das Glasfasernetz, die Arztpraxen-Kette — die allermeisten Unternehmen und Projekte sind nicht börsennotiert. Genau dort investieren „Private Markets“: als Beteiligung (Private Equity), als Kredit (Private Credit) oder in Sachwerte wie Infrastruktur und Immobilien. Das Gegenstück sind „Public Markets“ — Aktien und Anleihen, die jederzeit an der Börse handelbar sind.
Mehr Auswahl als die Börse, Erträge, die nicht im Gleichschritt mit den Aktienmärkten schwanken — und die Illiquiditätsprämie: Wer sein Geld länger bindet, wurde dafür historisch mit einem Renditeaufschlag belohnt. Lange war das Großanlegern vorbehalten; über ELTIFs öffnet es sich jetzt für Privatanleger.
Diese Anlagen sind illiquide: kein täglicher Verkauf, das Geld ist Jahre gebunden. Und der Wert wird geschätzt statt gehandelt — die Kurve wirkt dadurch glatter, als das Investment tatsächlich ist. Die Schwankung ist da, man sieht sie nur später.
Über einen Fonds: Ein Manager bündelt das Geld vieler Anleger und investiert es gestreut über viele Unternehmen oder Projekte. Klassisch als geschlossener Fonds (10+ Jahre, kein Ausstieg) — oder in der neueren, offeneren Form: semi-liquide Fonds.
Der schnellste Weg, „semi-liquide“ zu verstehen, ist der Vergleich mit dem, was du kennst: Ein ETF ist jederzeit handelbar. Ein klassischer geschlossener Private-Markets-Fonds bindet das Geld 10+ Jahre ohne Ausstieg. Semi-liquide Fonds (oft „Evergreen“ genannt) liegen bewusst dazwischen:
| ETF / offener Fonds | Semi-liquider Fonds | Geschlossener Fonds | |
|---|---|---|---|
| Verkauf möglich | jederzeit, börsentäglich | zu festen Terminen, begrenzt | praktisch gar nicht |
| Preis | laufender Börsenkurs | regelmäßig festgestellter NAV | Bewertung, selten |
| Einstieg | ab wenigen Euro | oft ab 1–10.000 €, einmalige Zahlung | hohe Summen, Kapitalabrufe über Jahre |
| Laufzeit | unbegrenzt | unbegrenzt („Evergreen“) | fest, meist 10+ Jahre |
| Anlagen | börsennotiert | nicht börsennotiert (Private Markets) | |
Für wen das nichts ist: für den Notgroschen und für Geld mit Abrufdatum (Hauskauf, Studium). Diese Fonds gehören ans lange Ende des Portfolios — Anlagehorizont ab etwa fünf Jahren, als Beimischung, nicht als Basis.
Die Idee, Privatanlegern Zugang zu Private Markets zu geben, ist nicht neu — der erste Anlauf ist nur gescheitert. Der ELTIF („European Long-Term Investment Fund“) existiert als EU-Rechtsrahmen seit 2015. Doch die erste Fassung hatte Hürden eingebaut, die kaum jemand nehmen wollte: mindestens 10.000 € Einstieg, dazu die Regel, dass Anleger mit weniger als 500.000 € Finanzvermögen höchstens 10 % davon in ELTIFs stecken durften, und ein enges Korsett bei den erlaubten Anlagen. Die Bilanz Ende 2021, sechs Jahre nach dem Start: gerade einmal 54 Produkte mit rund 7 Mrd. € — europaweit (Scope, ELTIF-Studie 2023).
Der Neustart kam mit ELTIF 2.0 — der Verordnung (EU) 2023/606, die seit dem 10. Januar 2024 gilt. Sie hat die Mindestanlage und die 10-%-Vermögensgrenze ersatzlos gestrichen; statt einer eigenen Zugangsprüfung gilt die normale Geeignetheitsprüfung nach MiFID II, wie du sie von jedem Wertpapierkauf mit Beratung kennst. Gleichzeitig wurde der Anlagerahmen praxistauglicher (mindestens 55 % statt 70 % in langfristige Anlagen, Dachfonds-Strukturen erlaubt) — und vor allem: Die Verordnung erkennt offene, semi-liquide ELTIFs mit geregelten Rücknahmen ausdrücklich an. Die technischen Detailregeln dazu kamen im Oktober 2024 als Delegierte Verordnung (EU) 2024/2759 (EUR-Lex).
Die zweite Kraft hinter dem Boom ist ökonomisch: Die Fondsbranche nennt sie „Retailisierung“. Institutionelle Anleger wie Pensionskassen haben ihre Private-Markets-Quoten weitgehend gefüllt — Privatvermögen ist der größte noch kaum erschlossene Kapitaltopf. Große Manager haben deshalb Strukturen gebaut, die zu Depotbanken, Sparplänen und kleineren Ticketgrößen passen.
Beides zusammen hat den Markt in kurzer Zeit vervielfacht: Ende 2025 zählte Scope 268 registrierte ELTIFs; die 198 Fonds mit gemeldetem Volumen kamen zusammen auf 34,0 Mrd. € — ein Plus von 54,7 % in einem Jahr, allein 2025 kamen 113 neue Produkte auf den Markt. Rund drei Viertel der ELTIFs stehen Privatanlegern offen (Scope ELTIF-Studie 2026). Weltweit — mit deutlichem Schwerpunkt USA — verwaltet das Segment knapp 600 Mrd. US-$, mehr als doppelt so viel wie 2022 (Morningstar, „The State of Semiliquid Funds 2026“). Jung ist der Markt trotzdem: Die meisten Fonds haben noch keinen vollen Marktzyklus hinter sich — und 2025 gab es die ersten Belastungsproben: Der Immobilien-ELTIF Greenman OPEN setzte im Dezember 2025 Rücknahmen vorübergehend aus, der Altaroc Horizon 2024 wird abgewickelt (Scope, 2026). Das Wachstum ist belegt — die Bewährungsprobe läuft noch.
„Semi-liquide“ beschreibt die Mechanik, nicht die Rechtsform — und die lohnt einen zweiten Blick, denn an ihr hängen Anlegerschutz und Zugang. Drei Kleider dominieren in Europa. Der ELTIF ist das einzige Private-Markets-Vehikel mit EU-weitem Vertriebspass für Privatanleger; seine Rücknahmeregeln sind seit 2024 europäisch harmonisiert. Der Luxemburger Teil-II-Fonds (Part II UCI) ist ein regulierter offener AIF, den viele große Häuser für ihre Evergreen-Strategien nutzen — er ist flexibler als der ELTIF, braucht aber je Land eine eigene Vertriebszulassung und richtet sich oft an vermögendere oder semi-professionelle Anleger. Und der deutsche offene Immobilienfonds ist die älteste semi-liquide Struktur überhaupt — mit gesetzlich fixierten 24 Monaten Mindesthaltedauer und 12 Monaten Kündigungsfrist strenger als die meisten ELTIFs (siehe Kapitel Immobilien). US-Vehikel wie Interval Funds oder nicht börsennotierte BDCs funktionieren ähnlich, sind für europäische Anleger aber in der Regel nicht zugänglich — sie taugen als Vergleichsmaßstab, nicht als Kaufoption. Für dich heißt das: Gleiches Etikett „semi-liquid“, unterschiedliche Regeln — welcher Rahmen gilt, steht auf jeder unserer Fonds-Detailseiten.
Die Rückgabemöglichkeit ist keine Gratisbeigabe — sie wird an drei Stellen bezahlt, und alle drei kannst du im Prospekt nachlesen.
Erstens: Der Liquiditätspuffer kostet Rendite („Cash Drag“). Damit der Fonds Rücknahmen bedienen kann, hält er einen Teil des Vermögens in Kasse, Geldmarktanlagen oder börsennotierten Titeln. Die ELTIF-Detailregeln verknüpfen das ausdrücklich: Wer häufig zurücknimmt und kurze Kündigungsfristen bietet, muss mehr liquide Mittel vorhalten — nach einer der beiden Kalibrierungsoptionen der RTS setzt eine monatliche Rücknahme mindestens 25 % liquide Anlagen voraus (Del. VO (EU) 2024/2759, Anhang II). Die Rechnung dazu ist simpel: Wenn 15 % des Fonds zu Geldmarktkonditionen verzinst werden und nur 85 % in Private-Markets-Anlagen arbeiten, verwässert jeder Renditepunkt Unterschied zwischen beiden Töpfen das Gesamtergebnis. Je bequemer die Rückgabebedingungen, desto größer dieser Effekt — Flexibilität und volle Marktrendite gibt es nicht gleichzeitig.
Zweitens: die Gebührenbasis. Beim klassischen geschlossenen Fonds fällt die Verwaltungsgebühr zunächst auf das zugesagte Kapital an, beim semi-liquiden Fonds laufend auf den NAV — also von Tag eins auf dein gesamtes eingezahltes Geld, inklusive des Liquiditätspuffers. Das ist ehrlicher als es klingt (du zahlst auf das, was du tatsächlich investiert hast), aber nicht billig: Morningstar beziffert die durchschnittliche laufende Kostenquote semi-liquider Fonds auf rund 3 % pro Jahr — Erfolgsgebühren noch nicht voll eingerechnet (Morningstar, 2026).
Drittens: Du kaufst ein Bestandsportfolio zum Schätzwert. Beim Einstieg übernimmst du anteilig alles, was der Fonds bereits hält — zum festgestellten NAV, ohne Abschlag und ohne Verhandlungsspielraum. Ob dieser NAV den Marktwert gerade gut trifft, weißt du erst später (siehe Bewertung & NAV). Und laufendes Neugeld muss der Manager erst investieren: Fließt mehr zu, als die Pipeline hergibt, parkt auch dieses Geld im Puffer und verdünnt die Rendite weiter. Deployment-Disziplin ist bei Evergreens eine Daueraufgabe, kein einmaliger Kraftakt.
Wenn ein geschlossener Fonds „20 % Rendite“ ausweist und ein Evergreen „11 %“, liegt der Verdacht nahe, der Evergreen sei fast nur halb so gut. Der Vergleich ist trotzdem schief — weil beide Zahlen verschiedene Dinge messen. Geschlossene Fonds rechnen mit dem IRR (interner Zinsfuß): Er misst die Verzinsung nur des Geldes, das gerade im Fonds arbeitet — und nur für die Zeit, in der es arbeitet. Dein Kapital wird aber über Jahre abgerufen und früh wieder ausgeschüttet; über die Laufzeit ist oft bis zur Hälfte der Zusage gar nicht abgerufen und wartet auf deinem Konto (Partners Group, „Accessing private markets: Evergreen funds“, 2024). Ein Evergreen weist dagegen eine Zeitrendite auf dein voll investiertes Geld aus — vergleichbar mit der Renditeangabe eines ETF.
Partners Group rechnet das Beispiel durch: Ein geschlossener Fonds mit 20 % Netto-IRR macht aus einer Zusage über zehn Jahre etwa das 2,8-Fache — dasselbe 2,8-Fache erreicht ein Evergreen mit rund 11 % pro Jahr, weil dort jeder Euro vom ersten Tag an arbeitet und Rückflüsse automatisch reinvestiert werden (ebd.; Anbieterquelle, Interessenlage beachten). Der ehrliche Vergleichsmaßstab ist deshalb nicht der Prozentsatz, sondern: Was wird aus einem Euro über denselben Zeitraum? Dazu kommt die J-Kurve: Geschlossene Fonds starten wegen Anlaufkosten oft mit Buchverlusten ins Minus; ein Evergreen überspringt diese Phase, weil du in ein fertiges Portfolio einsteigst. Umgekehrt gilt aber auch: Der Evergreen trägt dauerhaft seinen Liquiditätspuffer und seine NAV-basierten Gebühren — ein sehr guter geschlossener Fonds kann für disziplinierte Anleger, die Kapitalabrufe selbst managen, am Ende mehr übrig lassen. Morningstar mahnt zudem, dass nach Kosten nur wenige semi-liquide Fonds ihre Vergleichsmaßstäbe schlagen dürften (Morningstar, 2026). Welcher Weg „besser“ ist, hängt also weniger von der Prozentzahl im Factsheet ab als davon, ob du Kapitalabrufe stemmen kannst, wie lange dein Geld arbeiten soll — und was du in der Wartezeit mit nicht abgerufenem Kapital verdienst.
Die Illiquiditätsprämie differenziert betrachten. Ihre Höhe hängt von Zeitraum, Segment und Messmethode ab; zum historischen Mehrertrag tragen neben der Kapitalbindung auch Faktoren wie Leverage, Unternehmensgröße und Managerselektion bei. Gerade deshalb lohnt der Blick auf Strategie und Track Record des einzelnen Fonds.
Bewertungsglättung verzerrt Kennzahlen. NAV-Reihen beruhen auf Schätzungen, die träge angepasst werden. Die ausgewiesene Volatilität und die Korrelation zu Aktien fallen dadurch niedriger aus als die ökonomische Schwankung. Wer Allokationen modelliert, kann NAV-Reihen ent-glätten oder börsennotierte Vergleichsgrößen ergänzend heranziehen — dann trägt der Diversifikationseffekt auch im Modell.
Evergreen ersetzt die Vintage-Diversifikation nicht vollständig. Klassisch streut man über Auflagejahrgänge; ein Evergreen ist sofort voll investiert — dafür kauft man sich beim Einstieg in ein Bestandsportfolio ein, dessen Bewertung den Einstiegs-NAV bestimmt.
Positionsgröße mit Blick aufs Gesamtdepot wählen. Rebalancing ist seltener möglich als bei börsennotierten Anlagen; fallen liquide Positionen im Depot, steigt der Private-Markets-Anteil rechnerisch mit (Denominator-Effekt). Wer das einplant, wird davon nicht überrascht.
Der Werkzeugkasten ist größer als das Gate. Prospekte kombinieren Rücknahmefrequenz, Kündigungsfrist, Lock-up, Rücknahmeabschlag, Swing Pricing, Side Pockets und Aussetzung — dazu Kreditlinien und die Verrechnung neuer Zeichnungen gegen Rückgaben. Diese Werkzeuge schützen in erster Linie die verbleibenden Anleger. Lesenswert ist, in welcher Reihenfolge und mit welchem Ermessen sie eingesetzt werden dürfen — genau dort unterscheiden sich die Fonds.
Puffer und Zuflüsse sind eine Steuerungsaufgabe. Der Liquiditätsanteil macht Rückgaben planbar, dämpft aber die Rendite etwas (Cash Drag). Laufendes Neugeld will zugleich zügig und diszipliniert investiert sein — Deployment-Historie und Pipeline des Managers zeigen, wie gut das gelingt.
Der Mechanismus hat seinen Praxistest hinter sich. Ende 2022 hat ein großes US-Immobilienvehikel (BREIT) Rückgaben über mehrere Monate anteilig bedient — genau so, wie es die Fondsdokumente vorsehen. Der Fall zeigt beides: Gates kommen tatsächlich zum Einsatz, und sie funktionieren als geordneter Schutz für alle Anleger statt eines Wettlaufs um den Ausstieg.
Rückgabe zum NAV heißt Rückgabe zum Bewertungsstand. Da der NAV auf regelmäßigen Bewertungen beruht, kann er Marktbewegungen mit Verzögerung abbilden — in beide Richtungen. Instrumente wie Swing Pricing und Rücknahmeabschläge sorgen dafür, dass Handelnde und verbleibende Anleger fair behandelt werden; die konkrete Ausgestaltung steht im Prospekt.
ELTIF 2.0 koppelt Rücknahme an Puffer. Die technischen Standards verknüpfen maximale Rücknahmequote, Kündigungsfrist und liquide Mittel; zusätzlich sind Matching-Mechanismen möglich, bei denen Anteile zwischen aus- und einsteigenden Anlegern übertragen werden.
Vier Kennzahlen, die ein Evergreen-Factsheet erst lesbar machen. Erstens die Netto-Exposure-Quote: Welcher Anteil des NAV steckt tatsächlich in Private-Markets-Anlagen (Look-through, inkl. unwiderruflicher Zusagen), welcher im Liquiditätssleeve? Zwei Fonds mit identischer Strategie und 10 vs. 25 % Sleeve sind unterschiedliche Produkte — im Rendite- wie im Liquiditätsprofil. Zweitens der Sleeve-Anteil im Verhältnis zu den Rücknahmebedingungen: Die ELTIF-RTS (Del. VO (EU) 2024/2759, Anhänge I/II) verknüpfen Rücknahmefrequenz, Kündigungsfrist und Mindestliquidität in Tabellenform — daran lässt sich prüfen, ob ein Fonds seine Rücknahmezusage strukturell decken kann oder auf Zuflüsse angewiesen ist. Kündigungsfristen unter drei Monaten muss der Manager gegenüber der Aufsicht begründen (Art. 5 Abs. 8). Drittens die Fee-Basis: Management Fee auf NAV (inkl. Sleeve) plus Performance Fee — entscheidend sind Hurdle, High-Water-Mark und ob die Performance Fee auf realisierte oder unrealisierte Wertzuwächse anfällt; Letzteres vergütet auch Bewertungs-, nicht nur Realisierungserfolge. Viertens die Deployment-Mechanik: Wie schnell wird Neugeld investiert (Ramp-up-Historie), gibt es Zeichnungswarteschlangen, wie werden Zeichnungen gegen Rückgaben verrechnet, und veröffentlicht der Fonds die Ausführungsquote je Rücknahmetermin?
Typische Fehlinterpretationen. (1) IRR eines Drawdown-Fonds gegen die Zeitrendite eines Evergreens stellen — unterschiedliche Metriken; sauber vergleicht man Vermögensendwerte. (2) Geglättete NAV-Reihen in Sharpe-Ratios und Korrelationen füttern — die ausgewiesene Volatilität ist ein Artefakt der Bewertungsträgheit (siehe Bewertung & NAV). (3) Junge Evergreen-Track-Records überinterpretieren: Viele Vehikel starteten mit kleinem, handverlesenem Seed-Portfolio; die ersten Jahre sind selten repräsentativ. (4) Die Morningstar-Befunde ignorieren: 2025 erhielten nur 4 von 19 gerateten semi-liquiden Fonds ein Medalist-Rating „Bronze“ oder „Silber“, und nur 16 % der befragten Berater bezeichneten sich als sehr vertraut mit der Struktur — Produktkenntnis ist ein echter Engpass (Morningstar, 2026). Zur Vertiefung: Zeisberger/Prahl/White („Mastering Private Equity“, Wiley 2017), Phalippou („Private Equity Laid Bare“) und Ilmanen („Investing Amid Low Expected Returns“, 2022).
Ein Fonds für nicht börsennotierte Anlagen (Private Equity, Private Credit, Infrastruktur, Immobilien) ohne feste Laufzeit, der Anteile regelmäßig zum NAV ausgibt und zu festen Terminen begrenzt zurücknimmt. Er liegt bewusst zwischen ETF (jederzeit handelbar) und geschlossenem Fonds (kein Ausstieg über 10+ Jahre). Typisch sind quartalsweise Rücknahmen mit Kündigungsfrist und einem Gate von rund 5 % je Termin.
ELTIFs sind reguliert (EU-Verordnung, Verwahrstelle, Aufsicht) — das schützt vor Betrug, nicht vor Verlusten. Die Anlagen können an Wert verlieren, der NAV ist eine Schätzung, und in Stressphasen kann die Rücknahme gedeckelt oder ausgesetzt werden; 2025 ist das bei einzelnen Produkten in Europa passiert (Scope, 2026). Die richtige Frage ist nicht „sicher?“, sondern: Passen Kapitalbindung und Schwankungsrisiko zu deiner Situation?
Im Normalfall vergehen zwischen Kündigung und Auszahlung je nach Fonds mehrere Wochen bis rund ein halbes Jahr (Rücknahmetermin plus Kündigungsfrist). Wollen zu viele Anleger gleichzeitig raus, greift das Gate und die Auszahlung streckt sich über mehrere Termine. Einen garantierten Auszahlungszeitpunkt gibt es nicht.
„Evergreen“ beschreibt die Struktur (unbegrenzte Laufzeit, laufende Zeichnung und Rücknahme), „ELTIF“ einen EU-Rechtsrahmen. Viele ELTIFs sind als Evergreen gebaut, aber nicht alle — und viele Evergreens sind keine ELTIFs, sondern z. B. Luxemburger Teil-II-Fonds. Nur der ELTIF hat einen EU-weiten Vertriebspass für Privatanleger.
Deutlich mehr als ein ETF: Üblich sind eine Verwaltungsgebühr auf den NAV plus oft eine Erfolgsgebühr; Morningstar beziffert die durchschnittliche laufende Kostenquote des Segments auf rund 3 % p. a., Erfolgsgebühren nicht voll eingerechnet (Stand 2026). Dazu kommen je nach Vertriebsweg Ausgabeaufschläge. Die Kostenangaben je Fonds findest du in unserer Datenbank.
Dann greift das Gate: Der Fonds führt Rückgabeaufträge nur bis zur Obergrenze aus, meist anteilig gekürzt; der Rest wandert in den nächsten Termin oder muss neu eingereicht werden. Im Extremfall wird die Rücknahme ganz ausgesetzt. Das ist der eingebaute Schutz der verbleibenden Anleger — Details im Gating-Kapitel.
Zuletzt geprüft: 23.08.2026 · Methodik · Keine Anlageberatung.